Die kleine Marienkapelle an der Gülchsheimer Straße ist auf dem Weg ins Freilandmuseum in Bad Windsheim. Fachfirmen haben in Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen des Museums das Kleinod zerlegt und mit Spezialfahrzeugen nach Bad Windsheim gebracht.
Gäbe es nicht das Instrument der Zwangsverpflichtung – die Feuerwehr Oberickelsheim wäre derzeit führungslos. Federführender Kommandant Matthias Stein ist Ende letzter Woche zurück getreten, ebenso der Schriftführer des Feuerwehrvereins, Rainer Dierauf. Der Rücktritt ist der Protest gegen die Entscheidung des Gemeinderates, nun doch keinen Anbau an das Feuerwehrhaus zu errichten und kein Mehrzweckfahrzeug in Form eines gebrauchten Polizeibusses zu kaufen.
Weil zweiter Kommandant Stefan Hirsch bereits einige Tage vorher wegen "Feuerwehr interner Gründe", wie Stein sagt, aus seinem Amt und der Wehr ausgetreten ist, wäre die Feuerwehr führungslos gewesen. "Deshalb hat mich Bürgermeister Martin Hümmer für weitere drei Monate zwangsverpflichtet", sagt Stein und nimmt diese Verpflichtung auch an, damit die Wehr einsatz- und funktionsfähig bleibt.
Zur Vorgeschichte: Seit Jahren meldet die Feuerwehr Platzbedarf an. Außer im Gerätehaus lagern in zwei Gebäuden im Ort noch Feuerwehrgegenstände, beide Räume fallen künftig weg. Zudem geht es eng zu im Feuerwehrhaus. Löschfahrzeug, Schlauchwaschanlage und Uniformen sind in einem Raum untergebracht. Deshalb beantragte die Feuerwehr einen Anbau, der an das bestehende Gerätehaus, kombiniert mit dem dort geplanten künftigen Jugendraum errichtet werden könnte.
Zudem wurde ein Mannschaftsfahrzeug, etwa in Form eines gebrauchten Polizeibusses, beantragt, das im neuen Anbau einen Stellplatz hätte. Den Bus wollte die Wehr nutzen, um bei einem Einsatz Feuerwehrleute nachzuführen oder abzuziehen. "Auch für den Transport der Pressluftflaschen zur Übung nach Bad Windsheim wäre das Fahrzeug nützlich", meinen Stein und Dierauf. Diese Fahrten werden derzeit mit Privat-Pkw erledigt, in denen jedoch die Flaschen nicht richtig gesichert transportiert werden können.
Diente der Anbau auch als Stellplatz für ein Feuerwehrfahrzeug hätte es einen staatlichen Zuschuss von 20 000 Euro gegeben. Vorausgesetzt es würde ein passendes Auto gefunden und die Feuerwehr wäre bereit den Anbau weitestgehend in Eigenleistung zu errichten, stimmte der Gemeinderat im April 2009 diesem Ansinnen zu.
Zur Eigenleistung bereit
Zur Mithilfe bereit erklärten sich nach Angaben des Kommandanten zwanzig Feuerwehrleute. Ein Polizeibus wurde in Nürnberg vom Bürgermeister, Mitgliedern des Gemeinderates und der Feuerwehr kürzlich besichtigt. "Der Bus war 17 Jahre alt, hatte über 200 000 Kilometer auf dem Tacho, hätte 1500 Euro gekostet und für uns gepasst", findet Stein.
Nun hat der Gemeinderat seine Meinung geändert. In nichtöffentlicher Sitzung wurde am 26. Januar mit einer Mehrheit von sechs zu einer Stimme beschlossen, keinen Anbau zu errichten und kein Auto zu beschaffen. Nur der Bau des Jugendraumes soll wie ursprünglich geplant erfolgen.
Stein stellt klar, dass er gar nichts dagegen habe, wenn der Jugendraum gebaut wird. Er hält Jugend und Feuerwehr unter einem Dach für "eine gute Sache". Doch die Politik des Gemeinderates bezüglich der Feuerwehr können Stein und Dierauf nicht nachvollziehen. "Dass wir so abgespeist werden, ist deprimierend, sagen sie. "Wir haben viel Zeit und Aufwand in dieses Projekt investiert. Mein Vertrauen in die Gemeinde ist verloren", sagt Stein und will mit seinem Rücktritt auch öffentlich ein Zeichen setzen.
Die Gründe für die Entscheidung des Gemeinderates legten Bürgermeister Hümmer, seine Stellvertreter Alfred Bätz und Bernd Scherer, sowie Gemeinderat Wolfgang Schumann in einem Pressegespräch mit der Main-Post dar. "Das Fahrzeug selbst wäre zwar billig gewesen, doch Umrüstung und Folgekosten wären zu teuer geworden."
Auch die Kosten für den Anbau samt Stellplatz beziffern die Räte als zu hoch. "Dies wäre gegenüber der Bevölkerung und vor allem der beiden Ortsteilwehren Geißlingen und Rodheim, die beide gar kein Fahrzeug haben, nicht zu vertreten gewesen. "Immerhin ist die Feuerwehr Oberickelsheim im Vergleich mit anderen Landkreisgemeinden mit dem Löschfahrzeug LF8 und dem technischen Gerät sehr gut ausgestattet", meint Hümmer.
Im Vergleich gut ausgestattet
Dass das Thema eigentlich ein Punkt für eine öffentliche Sitzung gewesen wäre, räumt Hümmer ein. "Die Feuerwehrführung war dazu geladen, ist jedoch nicht gekommen", erklärt er. Bernd Scherer betonte, dass die Entscheidung keine Kritik am Kommandanten Stein sei, sondern dass man dessen Arbeit schätze. Mit dem Anbau des Jugendraumes würde nun im Dachgeschoss Lagerraum für die Feuerwehr geschaffen. Auch könne ein Umbau im Innern des Gerätehauses für mehr Platz sorgen.
"Das Auto ist jedoch vom Tisch", stellten die Gemeindevertreter klar. In Gesprächen mit der Feuerwehrführung des Landkreises, der Oberickelsheimer Wehr und dem Kommandanten Stein will die Gemeinde bald klären, wie es nach den drei Monaten weitergeht. So lange gilt die Zwangsverpflichtung erst einmal.
(Quelle: Mainpost, 18.02.2010)