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Das Kirchlein im Dorf lassen

Eine kleine Kapelle, von den Einwohnern liebevoll „Käppele“ genannt, steht am Ortsrand von Rodheim. Das 1861 erbaute Kleinod ist in Privatbesitz, es gehört zum Anwesen von Familie Karlheinz Engert, das schräg gegenüber liegt. Die Kapelle steht unter Denkmalschutz und ist dringend renovierungsbedürftig.

Der Putz bröckelt von der Stuckdecke, Wände und Fußboden sind feucht, die Außenmauern drohen nach außen zu driften. Eine fachgerechte Renovierung kostet viel Geld. Dann gibt es da noch das Angebot des Freilandmuseums in Bad Windsheim, das Bauwerk abzubauen und im Museum wieder neu zu errichten.

Mit einem Bauantrag in unmittelbarer Nachbarschaft des Kirchleins befasste sich der Gemeinderat Oberickelsheim. Hinter dem Käppele, an einem bestehenden Zuchtsauenstall will ein Landwirt eine geschlossene Güllegrube und zwei Getreidehochsilos bauen. Die Silos mit einer geplanten Höhe von zehn Metern würden die Kapelle weit überragen.

Passt nicht „Das Landesamt für Denkmalpflege stimmt den Silos wegen der Nähe zur Kapelle nicht zu,“ informierte Bürgermeister Martin Hümmer in der Sitzung. „Das passt nicht,“ meinte auch die Mehrzahl der Räte und schlug vor, die Hochsilos „in einer verträglichen Höhe“ zu errichten. Keine Einwände gab es gegen die Güllegrube. Sollte das Käppele allerdings ins Freilandmuseum wandern, hätte der Gemeinderat keine Einwände. Karlheinz Engert würde die Kapelle gerne für Rodheim erhalten, da viele seiner Mitbürger meinen: „Das Käppele gehört zum Dorf.“ Seit sieben Jahren steht Engert mit dem Amt für Denkmalpflege in München in Kontakt und bemüht sich darum, Fördermittel zu bekommen. Die Verantwortung und Trägerschaft für das Käppele würde er jetzt gerne einem Förderverein übergeben. „Ich kann die Kapelle allein nicht halten“, sagt er. Erste Gespräche gab es bei einer Versammlung vor wenigen Wochen, bisher ohne Ergebnis. Auch Kirchengemeinde und politische Gemeinde haben kein Interesse, das Käppele zu übernehmen.

Entscheidung bald „Im September soll die Entscheidung fallen“, meint Engert. „Um anfangen zu können, müssten vorerst 20 000 Euro aufgebracht werden,“ sagt er. Vielleicht finden sich bis dahin Liebhaber für das Kirchlein, die bereit sind, die Verantwortung zu übernehmen. Ansonsten werden die Rodheimer ihr Käppele wohl im Freilandmuseum Bad Windsheim besuchen können.

Daten und Fakten Käppele Rodheim Die von einem Architekten ermittelten Kosten für eine Sanierung des Käppele betragen 143 000 Euro. An Fördergeldern sind höchstens 50 000 aus Mitteln der Denkmalpflege und 30 000 aus der Dorferneuerung zu erwarten. Zu den Substanz erhaltenden Maßnahmen gehören ein Verspannen des Gebäudes, damit die Außenmauern stabil bleiben. Decke, Wände und Dach würden saniert werden, ebenfalls der Altar im Innenraum. Neue Fenster und eine Tür sind vorgesehen, sowie eine Drainage im Umfeld der Kapelle, um das Wasser abzuleiten.
(Quelle: Mainpost, 28.07.2007)
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